Werden Roboter unsere Arbeit stehlen?

„HONDA ASIMO“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.
HONDA ASIMO“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Google – Mitgründer und CEO Larry Page und Microsoft Mitgründer Bill Gates sind sich zumindest in einem Punkt einig: Roboter werden unsere Jobs übernehmen („Google CEO: Robots Will Take Our Jobs and It’s OK.„; „Bill Gates: Yes, robots really are about to take your jobs„). Die Schlüsse, welche die beiden Herren daraus ziehen, pendeln aber zwischen vage und schwer nachvollziehbar.

Während Page zumindest einen optimistischen Grundton vernehmen lässt und nicht nachvollziehen kann, warum Menschen wie Sklaven auf ineffiziente Weise eine Arbeit verrichten sollten, nur um ihren Job zu behalten, bleibt er eine konkrete Antwort schuldig, wie ein alternatives Szenario aussehen könnte.

Gates hingegen hat schon konkretere Ideen und meint, dass es die Aufgabe von Staaten sein solle, Steuern auf Arbeit, Körperschaftssteuern sowie Mindestlöhne abzuschaffen, sodass Arbeitgeber weiterhin auf Menschen statt Maschinen setzen würden, wobei zu lächerlichen Löhnen („dirt cheap wages“) gearbeitet werden solle: das ist seine Antwort auf die Frage, wie der soziale Frieden auch in Zukunft zu sichern wäre.

Der Wirtschaftswissenschaftler Carl Benedict Frey und der Informatiker Michael A. Osbourne von der Universität Oxford trafen im Vorjahr im Rahmen einer Studie die Voraussage, dass innerhalb der kommenden 20 Jahre 47% aller Jobs in den USA automatisiert werden könnten. Ein interessanter Aspekt dieser Studie ist, dass eine große Anzahl unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche analysiert wurde und dabei sich herausstellte, dass neben niedrig qualifizierten Jobs auch viele hochqualifizierte Tätigkeiten, z.B. auf den Bereichen Management, medizinische Diagnostik oder juristische Recherche betroffen wären.

Wie in einem Artikel der Zeitschrift brand eins betont wird, ist die technologische Machbarkeit einer solchen Entwicklung jedoch noch lange kein Garant dafür, dass sie auch eintreten wird. Dennoch: was mit (und teilweise schon vor) der Industrialisierung in Produktion und Landwirtschaft begonnen hat, weitet sich mit der voranschreitenden Technologisierung auf immer mehr Bereiche aus – Maschinen leisten immer größere Mengen an Arbeit. Ob angesichts dessen der politische Wille zur Sicherung von Arbeitsplätzen um jeden Preis ein angebrachter Lösungsweg ist, darf gerne hinterfragt werden (oder, Herr Gates?).

Was das alles mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun hat, ist leicht nachvollziehbar: Befürworter dieses Konzeptes argumentieren gerne, dass die Automatisierung den Zwang zur Arbeit abschaffe, Menschen aber dennoch einen Lebensunterhalt benötigen würden:

Wenn […] die Menschen nicht mehr arbeiten müssen, weil Methoden und Maschinen das zu einem immer größeren Teil erledigen – dann müssen wir sie eben mit Einkommen versorgen. (Götz Werner)

An anderer Stelle wird ein bedingungsloses Grundeinkommen sogar als unumgänglich betrachtet, um technologiebedingte Massenarbeitslosigkeit und den Zusammenbruch der Gesellschaft zu vermeiden.

Andererseits ist auch die Ansicht, dass zunehmende Automatisierung nicht unbedingt einen Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten muss, nicht so einfach vom Tisch zu wischen. Der Autor Ortwin Renn meint in einem Interview:

Deutsche Studien kommen […] zu dem Ergebnis, dass der Arbeitsplatzgewinn durch höhere Wettbewerbsfähigkeit die Verluste durch Automatisierung mehr als ausgleicht.

Inwiefern das jedoch auf eine globale Perspektive oder auf mögliche zukünftige Entwicklungen anwendbar ist, bleibt fraglich; ebenso bleibt zu diskutieren, ob eine ständige Steigerung von Wertschöpfung und Produktivität in allen denkbaren Bereichen aus ökologischer und sozialer Sicht sinnvoll und wünschenswert ist (Stichwort „Wachstumsrücknahme„).

Fest steht, dass sich das Produktionsteam von „Geld oder Leben?“ mit der Frage von Arbeit versus Automatisierung auseinandersetzt und auch weiter befassen wird, denn – so die Schlussfolgerung in brand eins:

Derzeit werden die Karten fürs gesamtgesellschaftliche Spiel neu gemischt, Menschen und Maschinen nehmen ihre Plätze ein. Es ist Zeit, sich über die Regeln zu verständigen. (Hans-Arthur Marsiske)

 

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